Geschmacksland

Zeitreihe der weltweiten Produktion von Walnüssen, Cashews, Mandeln, Pistazien und Haselnüssen von 1992 bis 2024 in Millionen Tonnen.

Entwicklung der weltweiten Nussproduktion (1992–2024)

Walnüsse, Cashews, Mandeln, Pistazien und Haselnüsse zählen heute zu den wirtschaftlich bedeutendsten Baumnüssen der Welt. Trotz unterschiedlicher botanischer Herkunft, Anbauregionen und kulinarischer Verwendung haben sie zentrale Gemeinsamkeiten: Sie gelten als nährstoffreich, sind lange lagerfähig, vielseitig einsetzbar und passen ideal in moderne Ernährungsformen – von pflanzenbasierter Kost bis zu funktioneller Sport- und Gesundheitsnahrung.

Ein Blick auf die Produktionsentwicklung von 1992 bis 2024 zeigt, dass genau diese fünf Nüsse einen außergewöhnlich starken und langfristigen Produktionsanstieg erlebt haben. Während sie Anfang der 1990er-Jahre noch in deutlich kleineren Mengen produziert wurden, haben sich die globalen Produktionsvolumina meist vervielfacht. Dieser Anstieg ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels auf den weltweiten Agrar- und Konsummärkten.

Die Produktion von Walnüssen, Cashew und Pistazien hat sich seit 1992 mehr als vervierfacht, während sich die Produktion von Mandeln verdreifacht hat. Die Anbaumenge von Haselnuss hingegen hat sich fast verdoppelt

Walnuss, Cashew und Mandel liefern sich seit Jahren ein enges und spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit ständig wechselnden Spitzenplätzen um die führende Produktionsmenge. Mit einer weltweiten Produktion von ungefähr 4 Millionen Tonnen liegen diese 3 Nüsse beinahe gleichauf, während die Walnuss knapp vor Cashew und Mandel momentan den Spitzenplatz innehat. Weiter unten mit einer Produktion von jeweils über 1 Millionen Tonnen folgen Pistazie und Haselnuss.

Gemeinsam bei allen fünf Nüssen ist, dass sie von mehreren übergreifenden Faktoren profitieren:

  • Wachsender globaler Wohlstand und steigende Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln

  • Gesundheits- und Ernährungstrends, die Nüsse als „gute Fette“, Protein- und Mikronährstoffquelle positionieren

  • Industrialisierung der Weiterverarbeitung (Snacks, Pflanzenmilch, Backwaren, Süßwaren)

  • Verbesserte Anbautechniken, neue Sorten und höhere Erträge pro Hektar

  • Exportorientierte Produktionsländer, die gezielt auf Nusskulturen setzen

Innerhalb dieses gemeinsamen Rahmens weist jedoch jede Nuss eigene, spezifische Treiber auf, die ihren individuellen Produktionsanstieg erklären.

Walnuss: Traditionelle Nuss mit globaler Renaissance

Die Walnuss verbindet eine lange kulturelle Tradition mit moderner Gesundheitskommunikation. Sie wird zunehmend als „funktionelle Nuss“ wahrgenommen, insbesondere wegen ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen.

Konsumfaktoren

  • Stark steigende Nachfrage in Europa, China und Nordamerika

  • Verwendung in Backwaren, Müslis, Salaten und veganen Produkten

  • Wissenschaftliche Studien stärken das Image als herz- und gehirnfreundliches Lebensmittel

Anbaubedingungen

  • Gute Anpassung an gemäßigte Klimazonen

  • Große Produktionszuwächse in China, den USA, Chile und Osteuropa

  • Langfristige Investitionen lohnen sich, da Walnussbäume jahrzehntelang Ertrag liefern

Der Produktionsanstieg ist daher sowohl konsum- als auch strukturgetrieben und relativ stabil über Jahrzehnte.

Cashew: Vom Nebenprodukt zur globalen Snack-Ikone

Cashews haben sich von einer regional konsumierten Nuss zu einem globalen Premium-Snack entwickelt. Besonders in urbanen Märkten gelten sie als geschmacklich mild, vielseitig und hochwertig.

 Konsumfaktoren

  • Hohe Nachfrage in Asien, Europa und den USA

  • Zentrale Rolle in veganen Produkten (Käse-Alternativen, Saucen, Cremes)

  • Beliebt als Snacknuss durch weiche Textur und milden Geschmack

Anbaubedingungen

  • Anbau in tropischen Regionen (Vietnam, Indien, Westafrika)

  • Relativ robuste Pflanze, geeignet für marginale Böden

  • Starke staatliche Förderung in mehreren afrikanischen Ländern

Der Anstieg ist besonders durch Industrialisierung der Verarbeitung und internationale Handelsketten geprägt.

Mandeln: Die wirtschaftlich stärkste Baumnuss

Mandeln sind die ökonomisch bedeutendste Baumnuss der letzten Jahrzehnte. Kaum eine andere Nuss hat ihr Einsatzspektrum so stark erweitert.

 Konsumfaktoren

  • Boom von Mandelmilch, Mandelmehl und glutenfreien Produkten

  • Zentrale Zutat in Fitness-, Keto- und Low-Carb-Ernährung

  • Hohe Akzeptanz bei Konsumenten mit Allergien gegen andere Nüsse

Anbaubedingungen

  • Hochspezialisierter Anbau, vor allem in Kalifornien

  • Intensive Bewässerung, hohe Mechanisierung

  • Züchtung ertragsstarker Sorten und präzise Erntetechnik

Der Produktionsanstieg ist eng an industrielle Effizienz und globale Markenprodukte gekoppelt.

Pistazien: Die Nuss mit Premium-Image

Pistazien haben sich von einer saisonalen Spezialität zu einem hochpreisigen Massenprodukt entwickelt. Ihr Image ist stark emotional und genussorientiert geprägt.

 Konsumfaktoren

  • Hohe Nachfrage als Snack, besonders geröstet und gesalzen

  • Wachsende Nutzung in Süßwaren, Eis, Backwaren

  • Assoziation mit Qualität, Genuss und mediterraner Küche

Anbaubedingungen

  • Anbau in trockenen, heißen Regionen (Iran, USA, Türkei)

  • Sehr widerstandsfähig gegen Trockenheit

  • Lange Reifezeit, aber hohe Marktpreise

Der Produktionsanstieg ist selektiv, aber stark, getragen von Premium-Nachfrage.

Haselnuss: Industriegetriebenes Wachstum

Haselnüsse nehmen eine Sonderrolle ein, da ihr Wachstum besonders eng mit der Lebensmittelindustrie verknüpft ist.

Konsumfaktoren

  • Massive Nachfrage durch Schokoladen- und Süßwarenindustrie

  • Stabiler Konsum unabhängig von kurzfristigen Ernährungstrends

  • Hoher Wiedererkennungswert in Markenprodukten

Anbaubedingungen

  • Schwerpunkt in der Türkei, ergänzt durch Italien und den Kaukasus

  • Gut an feuchte, gemäßigte Klimazonen angepasst

  • Hoher Flächenertrag bei vergleichsweise niedrigen Produktionskosten

Der Produktionsanstieg ist stark vertraglich und industriell abgesichert, was zu langfristiger Stabilität führt.

Quelle: FAOSTAT, 2024

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